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Die Flachsbauer

Über den Flachs und dessen Behandlung

Flachsbauer Martin
Flachsbauer Martin

Lein, im allgemeinen Sprachgebrauch Flachs genannt, ist eine der ältesten Kulturpflanzen. Im Mittelalter erlebte Leinen eine Blütezeit in Europa. In Deutschland war der Flachsanbau weit verbreitet und die Erzeugung von Geweben hoch entwickelt.

Anbau

Der Flachs braucht gute, tiefe Muttererde. Nicht nur die Hausfrau, sondern auch die Mägde hatten einen Acker mit Flachs für ihre spätere Aussteuer.

Flachssamen
Flachssamen

Der Bauer säte den Flachs, Dicht, damit die Fasern lang und fein würden.Beim Jäten mussten alle ins Feld, Knechte, Mägde, Kinder. Man musste vorsichtig sein, um die Pflanzen nicht zu stören. Zehn Menschen konnten in einem Tag zwei Morgen Land jäten. Flachsbau war mit viel Aberglauben verknüpft. z. B. steckte man Reiser in die Erde um dem Flachs zu zeigen, wie hoch er werden sollte. Die einzelne Pflanze blüht nur wenige Stunden.

Blühendes Leinfeld
Blühendes Leinfeld
Leinfeld im August
Leinfeld im August

Raufen, Nachtrocknen und Riffeln

Riffel
Riffel

Wenn die Samenkapseln anfingen, gelb zu werden, war es Zeit den Flachs zu ernten. Dies geschah mitten in der Getreideernte. Je früher geerntete, je feiner war der Flachs. Wurde gewartet bis bis alle Samen reif waren, d.h. wenn alle Samenkapseln gelb sind, wurden die Fasern schwach und grob und taugten nicht zum Spinnen von feineren Fäden.

Der Flachs wurde gerauft, d.h. mit den Wurzeln ausgezogen. Dadurch wurde die Beschädigung der Fasern während des Trocknens auf dem Feld verhindert. Gebündelt, die Strohgebinde heißen auf deutsch Hütten, Puppen oder Kapellen wurden der Flachs zum Trocknen und Nachreifen aufgestellt.

Meist wurde der Flachs erst nach dem Getreide heimgebracht. Dabei war Vorsicht geboten. Falls die Samen schon ganz trocken geworden waren, musste vorsichtig gefahren werden, damit sie nicht unterwegs abfielen.

Durch an einem Balken in der Tenne oder unter einem Halbdach befestigten großen Kamm, einen Riffel wurde Handvoll für Handvoll der obere Teil der Pflanzen gezogen. Hierduch wurden die Samenkapseln abgestreift. Für das Reinigen der Samen benutzte man verschiedene Geräte, Z.B. ein Sieb oder einen Trog. Eine Portion Samen wurde für die Saat des nächsten Jahres zurückgehalten.

Rösten

Röste
Röste

Das Werg, also die Pflanze ohne die Samen, wurde in Bündeln oder Rollen gesammelt. Nach dem Riffeln gehört der Flachs geröstet. Das Rösten ist ein Gärungs- oder Verfaulungsprozess, der zur richtigen Zeit angehalten wird, d.h. genau dann, wenn nur die Fasern unbeschädigt sind. Durch diesen Prozess lassen sich die übrigen Teile leichter entfernen. Es gibt die Tauröste oder die Wasserröste. Beide Methoden haben Vor- und Nachteile und ist seit viele hundert Jahren ein beliebtes Diskussionsthema. Wichtig ist es, die Röste rechtzeitig zum Aufhören zu bringen. Bei zu kurzem Rösten kann man die Schäben nicht von den Fasern trennen, und bei zu langem Rösten werden die Fasern mürbe und können nicht gesponnen werden. Durch trocknen und brechen von ein paar Stängeln, wird untersucht ob das Rösten fertig ist.

Tauröste geschah auf einem gegen den Wind geschützten Grasfeld. 4 bis 8 Wochen, je nach der Feuchtigkeit des Wetters, lag der Flachs auf dem Feld. Damit die Verfaulung nicht aufhört musste der Flachs einige male gewenden werden, um alle Stängeln feucht zu halten.

Wasserröste geschah in stillem Wasser, einem Teich oder einem Graben. Die Röste verschmutzt und vergiftet das Wasser. Folglich kamen nur ein Teich oder ein Graben in Frage, worin keine Fische lebten oder woraus die Tiere nicht tranken. Um den Flachs nass zu halten, wurde er mit Steinen beschwert. Wasserröste dauerte 7 bis 14 Tage, je nach der Temperatur und der Qualität des Wassers.

Nach der Röste stellte man den Flachs zum Trocknen auf und brachte ihn danach in eine Scheune oder eine andere Stelle: Hauptsache war eine luftige und trockene Aufbewahrung.

Brechen

Breche
Breche

Durch das Brechen wird die Pflanze geknickt. Dadurch löst sich dass durch das Rösten mürbe gewordene Holzmaterial ab und trennt es gleichzeitig von der Fasern. Beim Brechen muss der Flachs völlig trocken sein. Getrocknet wird er entweder an der Sonne oder über einem Feuer, z.B. in einem Flachsofen. Am besten ist aber das Trocknen über einem Feuer in einem Graben. Dabei musse man allerdings sehr vorsichtig sein, und aufpassen, dass der Flachs nicht anfängt zu brennen. Nur geübte und zuverlässige Personen durften den Flachs so trocknen. Eine einfachere, aber kaum so gute Methode war, an einem sonnigen Frühlingstag den Flachs an eine Südwand aufzustellen.

Das Brechen fand unmittelbar nach dem Trocknen statt. Handvoll für Handvoll wurden die Halme zwischen den Kiefern der Breche (der Knicke) geknickt, bis alle Schäben locker waren.

Schwingen

Schwinge
Schwinge

Nach dem Knicken (Brechen) sollten die Schäben vom Knickflachs entfernt werden. Dieser Vorgang ist das Schwingen. Der Flachs, über ein Brett gelegt. wurde mit einer dünnen Latte -auch Messer genannt- ausgeschwungen. Die Arbeit geschah im Sitze und gerne im Freien wegen des Wirbelns der Schäben. Das Schwingen war Frauenarbeit und es erforderte gute Armkräfte das Messer einen ganzen Tag zu schwingen. Meist schwangen die Mägde des Dorfs gemeinschaftlich. Wenn alles ausgeschwungen war, hielten sie oft ein kleines Fest. Die Schäbe waren gutes Streu für die Haustiere oder Heizmaterial für die Küche.

Die abgefallenen, kürzeren Fasern, das Werg, durfte auch nicht verloren gehen. Damit wurden gröbere Garne für Seile oder Möbel Polster gesponnen.

Die Geräte für das Schwingen waren von unterschiedlichen Formen, je nach Landesteil. Sie waren oft mit Schnitzarbeiten schön verziert, meist ein Geschenk für die Liebste. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts führte kamen Schwingmaschinen oder Schwingstände mit mehreren Messern auf die durch ein Kurbel angetrieben wurden. Eine solche Anschaffung teilten sich oft mehrere Familien im Dorf. Allmählich übernahmen reisende, berufsmäßige Flachsschwinger die Schwingarbeit, auch das Brechen übernahmen sie mancherorts.

Hecheln

Hechel
Hechel

Das Hecheln war der letzte Vorgang vor dem Spinnen. Es entfernte die letzen Schäbe und kurzen Fasern. Gleichzeitig ordneten sich die langen Fasern parallel an. So wurde die so entsandene Flachsriste fein und blank.

Eine Hechel (oder ein Hechelstock) ist ein Brett mit vielen Reihen von Nadeln. Benutzt wurden immer zwei oder mehrere Hecheln von zunehmender Feinheit. Dabei galt: je feiner die Hechel, je feineren Faden. Mehrmals durch die feinste Hechel gezogen ergab eine Riste zum Spinnen von Nähzwirn.

Um die Ordnung der Fasern zu bewahren, hielt ein Papierband den gehechelten Flachs zusammen oder er hing in Zöpfen – fein arrangiert – in der großen Stube, um seinen Wohlstand zu demonstrieren.

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